Universität für angewandte Kunst Wien
ao.Univ.-Prof. Mag. art. Dr. phil. Marion Elias (interim. Leiterin)

"Gender Studies: Bildende Kunst und Philosophie - Acheiropoieta"

Gender Studies, Philosophie, Vorlesung (VO), einstündig, S 50844, 1.0 SemStd.

Nur im Sommersemester: VO jeweils donnerstags, 12.30h c. t. - 13.30h, EXPOSITUR POSTGASSE 6, 2. STOCK, SEMINARRAUM

Kunst - warum? Und was bitte ist das eigentlich...so ungefähr...?
Lange vor der "Erfindung" des - angeblich autonomen - Kunstwerks, vor dem Aufstieg des simplen Handwerkers zum artista waren Bilder vom Himmel gefallene Dinge, Acheiropoieta, nicht von Menschenhänden gemachte Verlängerungen Gottes in die Welt. Die Aufgaben der bildenden Kunst zeigen sich seitdem aber nur marginal und oberflächlich verändert, selbst die klassische Moderne und die Avantgarden des vergangenen Jahrhunderts rückten gespickt mit Heilsversprechen an oder tauschten religiöse gegen politische Pflichten. In der kontemporären Kunst ist das Ästhetische zur Nebensache geworden, weitgehend irrelevant oder überflüssig, dafür stellt sich nun umso größer ein ganzer Aufgabenkatalog als unhintergehbare Existenzberechtigung vor jedwede mögliche optische Lösung. Sämtliche Entpflichtungsmöglichkeiten scheinen der Kunst und den Künstlerinnen und Künstlern in die falsche Kehle zu geraten, missverstanden als Beginn der eigenen Abschaffung, stets beantwortet mit angeblich neuen, selbstgewählten Bindungen, Diensten und Bestimmungen, die über das Medium kaum zu lösen sein können und auch gar nicht gelöst werden müssten beziehungsweise sollten. Wie stellt sich denn nun die "Kette" von Bildender Kunst und Philosophie - aus einem genderspezifischen Blickwinkel aus - dar, aktuell und historisch? Finden sich zu den Themenkreisen "Bilder versus Bilderverbot, Kult oder Kunst, Zeichen oder Magie, Geniekult oder Irrtum" lediglich aus europäischer Sicht Anhaltspunkte und wenn ja beziehungsweise nein - welche? Und was ist mit der Lieblingssentenz der letzten Zeit, der künstlerischen Forschung? Geht das überhaupt - und wenn ja, wie? Was wir eigentlich als "Kult" begreifen hat seine Parallelen im außereuropäischen Raum durchgehend behalten, und in Zeiten, die uns mit einer vehementen Rückkehr des Religiösen quasi weltweit konfrontieren scheint es durchaus angebracht, das System der "Aufklärung" neuerlich in Erinnerung zu rufen und gegebenenfalls zu kritisieren. Dies sowie parallele Fragen sollen in der Lehrveranstaltung bearbeitet werden.

Ziel der Vorlesung ist es, den Blickwinkel zwischen Vergangenheit und Gegenwart abwechselnd einzurichten, einerseits die Positionen des Künstlers/der Künstlerin und seiner/ihrer Arbeiten zwischen Beschwörung, Belehrung, Erzählung, Devotion, Repräsentation oder Verstörung zu verfolgen und zu beleuchten, andererseits die Rolle dieses "Artista" selbst im historischen und sozialen Wandel zu prüfen und, nicht zuletzt, sie zur Rolle, die je zeitgenössische Frauen in Wissenschaft und Kunst spielen konnten und mußten, vergleichend in Zusammenhang zu bringen. Die Beispielkette um die Aufgabe der bildenden Kunst zieht dabei auch außereuropäische Muster heran und analysiert prinzipiell Lesarten dessen, was als "Kunstwerk" verstanden wird. Quasi als Resultat der Lehrveranstaltung wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Auslegung des erarbeiteten Themenkreises in (kurzer) wissenschaftlich-schriftlicher oder praktisch-künstlerischer erwartet.

Die Vorlesungsserie steht in lockerer Verbindung zum Gender Art Laboratory. Lange vor der "Erfindung" des - angeblich autonomen - Kunstwerks, vor dem Aufstieg des simplen Handwerkers zum Artista waren.

Anmeldungen ab sofort unter:
irene.gerersdorfer@uni-ak.ac.at
robert.maierhofer@uni-ak.ac.at

(Marion Elias)